Session 9 – Jörg Ahlbrecht
Der dritte und letzte Tag des Leitungskongresses von Willow Creek Deutschland beginnt mit spürbarer Energie. „The best is yet to come“, singen rund 25 Sängerinnen und Sänger des Chors LivinGospel – und innerhalb weniger Minuten steht das Publikum klatschend auf, lässt sich mitreißen und stimmt ein.
Nach der Lobpreiszeit kündigt Moderator Steffen Kern den Redner für Session 9 an: „einen besonderen Menschen, Theologen und Vernetzer“. Jörg Ahlbrecht sei einer der wesentlichen Impulsgeber von Willow Creek. Sein Thema an diesem Samstagmorgen: „Verwurzelt im ewigen Leben“.
Die Teilnehmenden hätten sich in den vergangenen Tagen mit vielen Facetten von „Rooted“ beschäftigt, sagt Ahlbrecht. „Am Ende des Kongresses muss noch einmal klar werden: Wofür das ganze Verwurzeltsein?“
Blick nach oben
Über das ewige Leben werde in christlichen Kreisen erstaunlich wenig nachgedacht, beobachtet Ahlbrecht. Viele sprächen zwar vom „in den Himmel kommen“, hätten aber kaum konkrete Vorstellungen davon, was das eigentlich bedeute. Mit Blick auf den Kolosserbrief ruft er dazu auf, den Fokus nicht nur auf das Irdische zu richten, sondern auf das Himmlische.
„Es passieren selten gute Dinge, wenn wir den Blick nach unten wenden wie ein trotziges Kind“, sagt er. Wer nur auf das Sichtbare schaue, verenge sein Leben auf Besitz, Leistung und Kontrolle. Verlustangst, Sorgen und Mutlosigkeit bestimmten dann oft stärker als Friede, Freude und Liebe.
Seine Einladung lautet: „Richtet euren Blick nach oben. Die himmlische Perspektive ist die Perspektive des ewigen Lebens.“
Was das konkret heißt, erklärt er mit Johannes 17,3: Ewiges Leben sei vor allem Beziehung – die tiefe, innige Verbundenheit mit Gott. „Ewiges Leben bezieht sich nicht nur auf die Dauer“, betont Ahlbrecht. „Es bedeutet Leben in unfassbarer Qualität.“
Vier Bewegungen
Wer sich nach oben ausrichte, erlebe innere Veränderungen – vier Bewegungen, so der Theologe.
Von der Angst zur Liebe
Angst sei für viele Menschen eine treibende Kraft. „Angst ist die Erwartung des Schlechten. Liebe ist der Wille zum Besten.“ Der Blick auf den liebenden Gott helfe, sich nicht vom Worst Case bestimmen zu lassen. „Wir steuern nicht auf einen Abgrund zu, sondern auf das Meer der Gnade.“
Von der Hetze zur Geduld
Hetze präge den Alltag und schade dem geistlichen Leben. „Wer nur begrenzte Lebenszeit hat, muss sich beeilen.“ Wer jedoch im Reich Gottes verwurzelt sei, lerne Gottes Timing zu vertrauen. „Gott ist nie in Eile. Warum sind wir es?“ Geduld lasse sich einüben – etwa ganz praktisch im Alltag.
Von der Oberfläche zur Tiefe
Oft versuchten Menschen, Leid zu vermeiden. Doch Schmerz könne auch eine Einladung sein, tiefer zu gehen. „In schwierigen Phasen wird aus dem Wissen über Gott eine Beziehung mit ihm.“ In der Tiefe wachse ein Halt, den die Oberfläche nicht geben könne.
Vom Stückwerk zur Vollendung
Ahlbrecht zitiert den US-amerikanischen Pastor und Autor John Mark Comer: „Die Perspektive unseres Lebens ist, dass Gott uns zu Königen und Priestern machen will.“ Menschen seien dazu berufen, an Gottes kreativem Handeln beteiligt zu sein. Dafür brauche es veränderte Herzen: „Nur die selbstlose Liebe wird durch Macht nicht korrumpiert.“
Ein klingender Abschluss
Zum Ende lädt Ahlbrecht die Zuhörenden ein, persönlich zu reflektieren: „Wie ist es mit meiner Ausrichtung nach oben? Wo lebe ich das – und wo bin ich noch sehr am Irdischen?“
Als Erinnerung erhält jede und jeder eine kleine Glocke. Kurz darauf erfüllt ein helles Klingeln die Kongresshalle – ein vielstimmiges Zeichen dafür, den Blick neu nach oben zu richten.


