Session 2 – Mindy Caliguire
„Ich würde lieber ausbrennen als einzurosten – kennt ihr diesen Satz? Habt ihr euch mal gefragt: Warum gibt es nur diese zwei Optionen?“ Weil unsere Vorstellungskraft nicht ausreicht, dass es auch einen anderen Weg geben könnte, erfahren die Teilnehmenden des Leitungskongresses in Session 2 von Mindy Caliguire, Mitbegründerin von Soul Care aus Colorado.
Der Titel ihrer Session lautet „Verwurzelt in der eigenen Seele“ – ein Thema, mit dem sie selbst bereits sehr persönliche Erfahrungen gemacht hat. Als junge Frau gründete sie gemeinsam mit ihrem Mann eine Gemeinde in Boston, investiert sich mit Leib und Seele in ihre Arbeit und erlebt, was vielen Menschen bekannt vorkommt, die große Verantwortung tragen: Sie brennt aus und erlebt einen solch schweren Zusammenbruch, der begleitet ist von neurologischen Symptomen, die sie sogar ins Krankenhaus bringen. „Herr, das ist nicht strategisch – denn die Arbeit geht ja nicht weiter!“, lautete ein Gebet in dieser Zeit, das sie mit ihrem Publikum teilt. Ehrlich und verletzlich berichtet sie davon, wie aber gerade diese Zeit, in der ihr ganzes Leben für einige Zeit zum Stillstand kam, ausschlaggebend wurde, dass sie heute von ihrem Herzensthema erzählen kann: Davon, wie wichtig es ist, sich um seine eigene Seele gut zu kümmern. „Gott hat mir einen neuen Wegweiser gezeigt“, erzählt Mindy und betont nachdrücklich: „Jede Gelegenheit, diese Botschaft weiterzugeben, fühlt sich an wie eine Erlösung.“
Auf einem Familienfoto – aufgenommen vor der Berglandschaft Colorados – sieht man ihren Mann, ihre drei Söhne und drei Schwiegertöchter. Hätte Mindy nicht explizit darauf hingewiesen, hätten mehrere Tausend Hallenbesucher ein scheinbares Detail im Hintergrund womöglich übersehen: Schwarze, abgebrannte Bäume. Es folgen weitere Fotos: Ein abgebranntes Haus und das Titelfoto einer amerikanischen Zeitung, das eine Frau von hinten zeigt, die in den Trümmern ihrer einstigen Nachbarschaft steht und erkennt: Dieser Ort ist zerstört worden. Mindys Geschichte hat es tatsächlich auf die Titelseite dieser Zeitung geschafft, denn die Frau auf dem Foto ist sie selbst, die ohnmächtig mitansehen musste, wie verheerende Waldbrände ihr Haus, ihre Nachbarschaft und damit ihre Heimat zerstörten. Ein betroffenes Raunen ist im Saal zu hören.
Der Burnout, der Zusammenbruch und der Verlust ihrer Familie haben Mindy gelehrt, „dass die Fürsorge für deine eigene Seele Priorität hat.“ Und das nicht deswegen, weil wir uns dazu entscheiden können, der Gesundheit unserer Seele Priorität zu geben, sondern einfach, weil sie diese Priorität naturgegebenerweise hat. Sie zitiert den bekannten Schriftsteller C. S. Lewis, der einmal von „ersten und zweiten Dingen“ sprach und feststellte: „You cannot get second things by putting them first. You only get second things by putting first things first.” Ebenso ernst, dramatisch und verheerend wie die Folgen eines Waldbrandes können die Folgen eines mentalen Zusammenbruchs der Seele für den Menschen sein. Deswegen sollten wir alles daran setzen, gut für unsere Seele zu sorgen.
Biblisch begründet Mindy ihre Message mit einem bekannten Vers, der oft in einem anderen Zusammenhang zitiert wird. „Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen und dabei seine Seele zu verlieren? Gibt es etwas Kostbareres als die Seele?“ Zu oft würden sich Gemeinden, wenn es um die Seele geht, nur damit befassen, ob eine Seele errettet ist oder nicht – allerdings gibt Mindy etwas Spannendes zu bedenken: Diesen Satz richtet Jesus an seine Nachfolger, also an Menschen, die sich bereits dazu entschieden hatten, ihre Netze niederzulegen, um in Beziehung zu ihm zu leben und ihm nachzufolgen. „Es ist sehr gut möglich, dass eine Seele errettet ist, und es ihr trotzdem nicht gut geht!“, stellt Mindy fest.
Gerade Leitenden, die dieses Phänomen gut kennen, gibt Mindy weise Ratschläge, wie sie auf ihre seelische Gesundheit achten können. „Page, person and plan“ lautet der Dreiklang, von dem sie überzeugt ist. Reflektieren, gesunde und wohltuende Beziehungen pflegen und mit Intention leben – was auf den ersten Blick vielleicht banal klingt, ist es keineswegs. „Stell dir selbst und Gott die großen Fragen!“ rät Mindy ihrem Publikum, denn: „Je mehr ihr lernt, wie Gott wirkt, werdet auch ihr wirken können.“ Wirken – in der Kraft des Geistes, mit Leidenschaft, Vision – und ohne auszubrennen. Weil unsere Psyche, unsere Seele, Teil des Menschen ist, der als Ebenbild Gottes geschaffen wurde. Das ist Mindys Leidenschaft und ihre Botschaft. „Ich fühle mich sehr angesprochen“, erzählt eine Teilnehmerin nach Mindys Vortrag.


