Session 5 – Markus Weimer
Daniela Mailänder kündigt Markus Weimer an, den ersten Referenten des Tages zum Thema „Verwurzelt in der Gemeindearbeit“. „Wenn ich an Markus Weimer denke, dann denke ich an einen Menschen, der immer bereit ist, die Ärmel hochzukrempeln.“ Man spürt ihre ehrliche Wertschätzung, als sie fortfährt mit den Worten „…und gleichzeitig hat der Bursche den Kopf im Himmel.“
Markus Weimer fällt es nicht schwer, sein Publikum zu gewinnen. Eine kleine Anekdote zum Anfang bringt das Publikum zum Lachen und leitet über zu einer Frage, die er in den Raum wirft: „Bist du gerade gerne Mitglied deiner Gemeinde?“ Irgendwo in der Halle ruft eine begeisterte Person „Ja!“, was den Referenten zum Schmunzeln bringt. Trotzdem erkennt er die verschiedenen Seasons an, durch die Gemeinden oft gehen: Da gibt es Zeiten, die geprägt sind von leidenschaftlichem Einsatz für die Sache Jesus, aber auch Konflikte gehören zum Alltag vieler Gemeinden. Er stellt fest: „So wie es aktuell ist, kann es nicht blieben.“ Es herrsche Unsicherheit und Angst und auch wenn es immer wieder gut gemeinte Versuche nach Aufbruch und Veränderung gebe, stellt Markus Weimer fest: „Die großen Reformprogramme werden zu schlichten Strukturmaßnahmen.“ Eine Welt, die sich im Wandel befindet und damit auch Wandel und Veränderung in Kirchen benötigt, nehmen viele Menschen als problematisch war – Markus Weimer fokussiert jedoch die Frage, wie wir gut damit umgehen können. Die zentrale Frage für ihn lautet: „Wie kann Veränderung geistlich nachhaltig gestaltet werden? Welche Haltung braucht es, damit so ein Wandel gelingt?“
Zum Reformationsjubiläum 2017 sprach der britische Bischof Paul Williams in Weimers Gemeinde über einen Bibeltext aus Apostelgeschichte, Kapitel 11, der Weimer und seine Gemeinde nachhaltig geprägt hat. Hier leitet sich für Weimer das biblische Prinzip einer „Quellgemeinde“ ab. Diese definiert er so: „Eine Quellgemeinde ist eine Gemeinde, die ihre Wurzeln zu Christus hin aussteckt und von hier die Kraft bekommt, um sich selbst zu verschenken.“ Die Jerusalemer Urgemeinde, die Barnabas nach Antiochien schickt, war eine solche Quellgemeinde, für die Bischof Paul 7 Merkmale definiert.
Ermutigung überall
„Barnabas spürt den geistlichen Aufbruch in Antiochia und ermutigt die Gemeinde, ihren Kurs weiterzugehen“, stellt Weimer fest. „Es braucht liebevolle Krawallbürsten, die für das Ungewohnte eintreten und Mut machen, neue Wege zu gehen.“ Eine Quellgemeinde schaffe Räume, in denen man ermutigt wird.
Jesus Fokus & Treue
Barnabas ermutigte die Gemeinde in Antiochia nicht nur, er ermahnte auch. Weimer zufolge dient diese Ermahnung dazu, den Fokus nicht zu verlieren: „Wir haben viele kreative und innovative Ideen, aber immer wieder stimmt die Reihenfolge nicht. Kirchenerneuerung beginnt immer bei Christus. Zuerst Christus, dann die Sendung, dann die Kirche.“
Demütige Leiterschaft
Barnabas wird als Mann mit edlem Charakter beschrieben. „Ein edler, demütiger Charakter wächst, wenn ich mir vom ‚Ich bin‘ zusagen lasse, wer ich bin.“ Barnabas bat Paulus um Mithilfe und teilte damit Verantwortung und seinen Einflussberiech. Er klebte nicht an seiner Macht. Weimer fährt fort: „Eine Quellgemeinde wird von Menschen geleitet, die ein geklärtes Verhältnis zu ihren Grenzen haben.“
Mutige Vision vom Wachstum
„Antiochia zeigt, was geschieht, wenn sich eine Gemeinde klar fokussiert“. Menschen in ihrem Glauben mündig und sprachfähig zu machen – das war ihre große Aufgabe. Gerade Ehrenamtliche müssten gut geschult werden, damit sie ihr Potential entfalten können, was auch der Gemeinde dient.
Einfach beten
Besonders betont Markus Weimer das 5. Merkmal einer Quellgemeinde: „Nachhaltige Veränderungen entstehen nicht durch Aktionismus, mutige Schritte haben ihre Wurzeln im Gebet der Gemeinde.“ Man spürt Weimer seine Begeisterung ab, als er von einem Erlebnis mit britischen Christen berichtet, mit denen er gemeinsam betete: Das war „ein überaus charismatisches Gebet bei strömendem Regen im Auto. Und ich dachte: Wir fliegen gleich!“ Auch er hat sich angewöhnt, Menschen in seiner Gemeinde nach Gesprächen ein Segensgebet anzubieten, da eine so große Kraft im Gebert liegt. Er resümiert: „Eine Quellgemeinde ist durchdrungen von Gebet, und zwar in jedem Bereich ihrer Tätigkeiten.“
Außenfokus & Großzügigkeit
Beeindruckt ist Weimer auch von der Großzügigkeit der Gemeinde in Antiochia, die ihre Ressourcen zu einer großen Spende bündelte und sie zur Muttergemeinde in Jerusalem brachte. Er leitet ab: „Barnabas und Paulus bringen sich selbst auf den Weg! Großzügigkeit war für sie kein Randthema, sondern zentral.“ Man merkt, dass Großzügigkeit ein Herzensthema für Weimer ist, wenn er sagt „Großzügigkeit hat immer zwei Seiten: Es brauch Mut um großzügig zu handeln, und es braut Demut, um sie anzunehmen. Ich glaube, wir werden in Zukunft auf gegenseitige Großzügigkeit angewiesen sein.“
Bereit, das Beste zu verschenken
Die Jerusalemer Urgemeinde betet und lässt Paulus und Barnabas ziehen, um der Gemeinde in Antiochia zu dienen. Die besten Mitarbeiter gehen zu lassen, damit sie an einer anderen Stelle zum Segen werden können, hat auch Weimer schon erlebt: „Solche Verluste können unglaublich schmerzhaft sein und bleiben immer eine geistliche Übung. Wir durften immer wieder entdecken, dass der Heilige Geist uns auffordert, das Beste zu verschenken. Es hat einen hohen Preis, aber es lohnt sich.“
Zum Ende seines Vortrags bittet Markus Weimer seine Zuhörerinnen und Zuhörer, kurz still zu werden und darüber nachzudenken, welches dieser Merkmale sie angesprochen hat und was der Heilige Geist ihnen dadurch vielleicht zeigen möchte. Er schließt mit den Worten von Paulus aus Hebräer 10, die passender nicht sein könnten: „Haltet an dieser Hoffnung fest, zu der wir uns bekennen, und lasst euch durch nichts davon abbringen. Ihr könnt euch felsenfest auf sie verlassen, weil Gott sein Wort hält. Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun.“


