Session 1 – Tod Bolsinger
„I will build my life upon your love; it is a firm foundation”, singen 6.000 Menschen beim Willow Creek Leitungskongresses 2026. Nach einer halbstündigen Worship-Session werden sie von zwei Präsidiumsmitgliedern offiziell begrüßt. „Dieser Kongress ist mit Liebe gemacht“, kündigt Henrik Otto an: „Liebe zu euch und Liebe zu Gott.“
„Wir wollen euch und eure Gemeinden tief im Vertrauen auf Christus verwurzeln“, ergänzt Stefan Pahl und spielt damit auf das Thema des Leitungskongresses 2026 an: „rooted – Gute Leitung braucht starke Wurzeln“.
Es geht um Gottes Mission
Die Moderatoren und Willow-Vorstandsmitglieder Jele Mailänder und Steffen Kern kündigen den ersten Redner an: Tod Bolsinger ist US-amerikanischer Autor, Professor und Führungsexperte. Er ist dankbar für seinen Übersetzer, sagt Tod Bolsinger, und sorgt für einen Lacher beim Publikum: „Mein Vater wusste nicht, dass mein Vorname auf Deutsch ‚Tod‘ bedeutet.“
Biblische Leiterschaft dreht sich immer um Gottes Mission, erklärt Bolsinger. Um diese zu erfüllen, müssen Leitende ihre Mitmenschen oft durch eine Wüste führen. „Leiterschaft verlangt, dass wir für die Mission verändert werden – und nicht jeder will das.“
Das sei es, was Leiterschaft oft schwierig mache: „Die Herausforderung der Veränderung ist, dass wir über unsere Superkraft hinausgehen oder sie sogar aufgeben müssen.“ Jeder Leiter habe eine „Superkraft“, die ihn an seinen heutigen Standpunkt brachte. Das Problem: Wenn wir in Krisen nur auf unsere festgefahrenen Gedankensysteme zurückgreifen, löst das keine Probleme.
Auf ins Abenteuer!
Stattdessen braucht es den Blick nach vorn, betont Bolsinger: „Die Zukunft ist komplett anders als das, was hinter uns liegt. Und wir müssen uns entscheiden, was wir tun.“ Der Leitungsexperte ermutigt Gemeinden zur Experimentierfreudigkeit und zum Abenteuergeist. Als Leiter erfordere es Mut, in Krisensituationen zuzugeben: „Ich weiß nicht, was wir machen sollen.“ Aber man könne sich durch die Dinge „hindurch lernen“.
Anhand eines Konzeptes der Harvard-Universität beschreibt Bolsinger zwei Arten von Problemen: Technische Probleme seien von Experten lösbar. Reichen deren Fähigkeiten nicht weiter, handle es sich um ein adaptives Problem: „Das erfordert, dass Leute eine Veränderung machen; einen Wandel in ihren Werten, Einstellungen und Verhaltensweisen.“
Viele Leitende machen einen Fehler, beobachtet der Redner: „Sie versuchen, adaptive Herausforderungen so zu lösen, als wären sie technische Probleme. Du benutzt deine alte Superkraft, statt eine neue Art der Leitung anzunehmen.“
Verlust akzeptieren
„Es ist schwierig, die Dinge loszulassen, die du selbst entwickelt hast“, gibt Bolsinger zu. Verlust sei schmerzhaft, aber notwendig – er sei das Herz von adaptiver Leitung. Drei Reflexionsfragen können Gemeinden dabei helfen, mutig vorwärts zu gehen:
- Wie hat sich die Welt verändert?
- Wie verändert sich unser Auftrag?
- Was werden wir zurücklassen müssen?
„Wir müssen uns wandeln“, ermutigt er das Publikum des Leitungskongresses. Und fordert es heraus: „Wir glauben an den Gott der Zukunft. Wir wissen, was in der Bibel steht: Der Tag wird kommen, an dem sich jedes Knie vor Jesus beugen und er für immer regieren wird. Warum hat die Kirche dann so viel Angst vor der Zukunft?“
Wir sind unser bestes Selbst, wenn wir auf Mission sind, ist Bolsinger überzeugt – und erntet den Beifall der Willow-Besucher.


